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Eine gastfreundliche Hotel-Bett Hygiene: So geht’s (nicht)! Ein LUSINI-Seminar mit Jens Rosenbaum

„[…] es [gibt] in unserem Leben durchschnittlich alle 17 Stunden eine wiederkehrende Konstante: Schlaf“ – mit dieser Aussage führte der Schlafexperte Jens Rosenbaum die Teilnehmer unseres LUSINI Online-Seminars am 29. Juli zum Fokus seines Vortrags hin: dem Hotel-Bett.

Das Hotel-Bett ist das elementare Produkt, auf welchem die Geschäftsgrundlage der gesamten Hotellerie beruht. Der Gast kommt mit dem Bedürfnis, Erholung und Schlaf zu finden. Jeder Gastgeber befindet sich dadurch in der Verantwortung, seinen Gästen ein entsprechend gutes Bett zu bieten. Passend zu unserem Blog: Das Bett gehört zur Gastfreundlichkeit! Dabei reicht nicht nur eine hervorragende Bett-Ausstattung, nein, die Hotel-Bett Hygiene muss sichergestellt werden! 

Die Hotel-Bett Hygiene, oftmals ein heikles Thema, das nicht so gerne in der Branche offen besprochen wird, hat durch die Corona-Pandemie jedoch für den Gast an Relevanz zugenommen. Aus diesem Grund sprach der diplomierte Schlafberater, Autor und Journalist Jens Rosenbaum in unserem Webinar „Hygiene & Nachhaltigkeit – Chancen und Risiken im Hotelzimmer“ darüber. 

Natürlich haben auch wir von Designer der Gastfreundschaft uns diese Einblicke nicht entgehen lassen, weshalb ich euch im Folgenden meine 6 wichtigsten Erkenntnisse aus dem Webinar mitgeben möchte.

1) Mehrheit der Bett-Einzelteile überschreitet in der Hygiene den empfohlenen Grenzwert

Im Jahr 2018 hat der Schlafexperte eine Studie begonnen, bei welcher bislang über 100 Hotel-Betten in Deutschland und der Schweiz untersucht wurden, um Standards für die Bett-Hygiene zu entwickeln. Da das Bett an sich aus mehreren Einzelteilen besteht, wurden von all diesen Proben entnommen und Hygienewerte ermittelt. Bei Betrachtung der bereinigten Mittelwerte ergab sich, dass diese bei Kissen, Zudecke, Schutzbezug Kissen, Matratze, Schutzbezug Matratze, Topper/ Unterbett sowie Unterfederung über dem empfohlenen Grenzwert lagen.

2) Das Housekeeping als eine der wichtigsten Stellschrauben zur Hotel-Bett Hygiene

Jens Rosenbaum zählt die verfügbare Zeit des Housekeeping-Teams pro Zimmer sowie deren Ausbildung zu den möglichen Ursachen für Hygieneprobleme. Auch die Kontinuität der Housekeeping Besetzung macht einen wichtigen Unterschied. Nur wer lang genug in einem Betrieb tätig ist, kennt auch die zimmerspezifischen Unterschiede, die berücksichtigt werden müssen. Als Lösung sieht der Experte, dass das Housekeeping richtig verstanden und dementsprechend eingesetzt werden muss. Setze auf einen detailreichen Hygieneplan sowie klar definierte Zuständigkeiten.

3) Bindest du deinen Textildienstleister bereits optimal ein?

Nach den Erfahrungen des Experten binden viele Hotelbetriebe ihren Textildienstleister nur unzureichend ein. Er empfiehlt: Prüfe, was du dem Experten alles mitgeben kannst und überlasse ihm möglichst alles zur Reinigung, denn dies ist sein Spezialgebiet! Bezüglich der Reinigung und Pflege von Textilprodukten, die nicht zum Wäschewechsel bei einem Gastwechsel gehören, müssen gemeinsam feste Rhythmen festgelegt werden. Auch die Tagesdecke oder das Zierkisten kommen mit dem Gast in Kontakt.

4) Waschbarkeit/ Waschen als Stichwort!

Am und im Bett solltest du ausschließlich Produkte einsetzen, die du waschen oder zumindest ausreichend chemisch reinigen kannst. Bist du gerade dabei, neue Hotel-Betten zu kaufen, ist die Waschbarkeit ein Aspekt, den du unbedingt bei den Gesprächen auch mit deinem Architekten berücksichtigen solltest.
Ein Produkt, welches häufig im Webinar thematisiert wurde, ist das sogenannte Encasing, also ein Hygieneschutzbezug. Das Encasing gibt Punkte bei der Sterneklassifizierung und ist von der Idee her gut, da es einen direkten Schmutzeintrag, bspw. in der Matratze, verhindert. Es dient als Schmutzfänger, weshalb dieser Schmutz sich folglich dort konzentriert. Daher ist es von Wichtigkeit, hier auf regelmäßige und richtige Reinigung sowie auf einen Austausch zu achten.

5) Nachhaltigkeit hört bei der Matratze nicht auf!

Matratzen von Hotel-Betten gelten nach ca. 5 Jahren als hygienisch verbraucht. Ungefähr 30 Millionen Matratzen landen p.a. in der EU in der Müllverbrennung, woran unbedingt etwas geändert werden soll! Nachgedacht wird bspw. über Pfandsysteme, Materialverbote oder Dokumentationspflichten als Maßnahmen. Für die Hotellerie könnte dies bedeuten: höhere Beschaffungskosten sowie ein höherer administrativer Aufwand. Auch beim Umweltbundesamt unserer deutschen Nachbarn in Dessau werden verschiedene Lösungen diskutiert. Darunter befindet sich auch die Integration von RFID-Chips in den Matratzen, die Informationen über die Materialzusammensetzung sowie die Recyclingmöglichkeiten liefern.
In der Zukunft könnte es hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Matratzen in der Hotellerie-Branche eine Verordnung/ ein Gesetz oder eine freiwillige Selbstverpflichtung geben.

6) „Es findet eine Transformation des nachhaltigen Tourismus statt, der nicht nur grüner, sondern auch sozialer wird!“

Abschließend verwies Jens Rosenbaum auf eine Masterarbeit der Kalaidos University of Applied Sciences. Diese untersuchte die Veränderungen im Konsumentenverhalten (Fokus Tourismus) in Korrelation mit der Corona Pandemie. Der Trend geht zu einer nachhaltigeren Form des Tourismus, welcher auf sozialer Resonanz fußt. Gäste möchten nicht nur die Natur schützen, sondern auch sich und Ihresgleichen, indem weniger Ausbeutung erfolgt und faire Löhne bezahlt werden.

Waren dir meine sechs Take-Aways zur Hotel-Betten Hygiene aus unserem LUSINI-Webinar noch zu wenig? Kein Problem, hier kannst du dir die Aufzeichnung des gesamten Online-Seminars ansehen.

Zur Verabschiedung ein kleiner Hinweis an dich: Die LUSINI-Webinare gehen erstmal in die Sommerpause. Deswegen findest du hierzu auch auf unserem Blog erstmal keine weiteren Inhalte.

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